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Sprachlos

Ein Teil dieses Evangeliums ist leicht zu verstehen. Der Rest macht mich sprachlos.
Sprachlos
Chiesa dei Santi Pietro e Caterina. Mazzorbo, Venezia. September 2026

An diesem Sonntag bin ich ratlos, beinahe sprachlos.

Im Evangelium richtet ein König die Hochzeit seines Sohnes aus und lässt die Geladenen rufen. Sie wollen nicht kommen. Er schickt noch einmal: Das Mahl ist bereitet, die Ochsen und das Mastvieh sind geschlachtet, kommt zur Hochzeit. Sie kümmern sich nicht darum. Der eine geht auf seinen Acker, der andere in seinen Laden.

Diesen Teil versteht man sofort, und über ihn lässt sich gut sprechen. Keiner der beiden hat etwas gegen die Hochzeit. Sie haben gerade Dringenderes zu tun, und das Dringendere hat meistens recht. So werden die meisten Einladungen ausgeschlagen, ohne dass irgendjemand böse wäre: die Weihnachtsfeier, der Strategietag, die Runde, die sich jemand ausgedacht hat, damit man einmal wieder miteinander redet. Man hat einen Termin, und der Termin gewinnt. Was man dabei verpasst, merkt man nicht, weil man ja nicht da war.

Nicht alle Geladenen sind so harmlos. Andere fallen über die Diener her, misshandeln sie und bringen sie um. Der König wird zornig, schickt sein Heer, lässt die Mörder töten und ihre Stadt in Schutt und Asche legen. Dann schickt er seine Diener an die Kreuzungen der Straßen, um alle einzuladen, die sie treffen, Böse und Gute, und der Festsaal füllt sich. Als der König hereinkommt, sieht er einen, der kein Hochzeitsgewand trägt. Freund, sagt er, wie bist du hier ohne Hochzeitsgewand hereingekommen? Der Mann bleibt stumm. Der König lässt ihm Hände und Füße binden und ihn hinauswerfen in die äußerste Finsternis, dort werde Heulen und Zähneknirschen sein. Am Ende steht: Viele sind gerufen, wenige auserwählt.

Hier komme ich nicht mehr mit. Dass der König zornig wird, verstehe ich, seine Diener sind umgebracht worden. Aber er lässt nicht nur die Mörder töten, sondern ihre ganze Stadt zerstören, und das mitten in den Vorbereitungen zur Hochzeit seines Sohnes. Woher soll einer, der eben noch an einer Kreuzung stand, ein Festgewand haben? Und warum sagt er nichts, als er angesprochen wird?

Die Leseordnung erlaubt, das Evangelium nach dem vollen Saal enden zu lassen. Die zerstörte Stadt bleibt drin, den Mann ohne Gewand darf man weglassen. Das macht es für mich nicht besser.

Neben diesem Evangelium stehen an diesem Sonntag zwei Mahlzeiten, die ganz anders sind. In der ersten Lesung gibt Gott auf einem Berg ein Festmahl für alle Völker, mit den feinsten Speisen und erlesenen Weinen, und er wischt die Tränen ab von jedem Gesicht. Der Psalm ist einer, den viele auswendig können, oft von Beerdigungen: Der Herr ist mein Hirt, nichts wird mir fehlen. Bis auf eine Zeile. Du deckst mir den Tisch vor den Augen meiner Feinde. Auch dort sitzt einer am Tisch, und andere schauen von draußen zu.

Zugemutet liest jeden Sonntag die vier Texte der katholischen Leseordnung darauf hin, was sie über das Zusammenleben sagen. Die Texte sind vorgegeben, ich höre, was zu mir herüberkommt. Mehr dazu unter Worum es geht und im Werkstattbericht.

Die Texte der Sonntagsliturgie finden sich hier: https://schott.erzabtei-beuron.de/jk28/SonntagA.htm?datum=2026-10-11&r=1