Auf hartem Grund
Die Lesungen dieses Sonntags beginnen mit dem Wetter. Beim Propheten Jesaja fallen Regen und Schnee vom Himmel und kehren nicht dorthin zurück, ohne die Erde zu tränken. Die getränkte Erde lässt keimen und sprossen, gibt Samen und Brot. So, sagt der Prophet, ist es mit dem Wort: Es kehrt nicht leer zurück, es bewirkt, wozu es ausgesandt wurde. Ein Bild vollkommener Zuversicht: Die Wirkung wohnt dem Wort selbst inne, wie dem Regen das Tränken.
Vier Texte hört an diesem Sonntag jede katholische Gemeinde, dieselben überall; Jesaja ist der erste. Ausgesucht hat ihn niemand für diese Woche, die Leseordnung legt ihn seit Jahrzehnten fest, allen gleich. Sie fragt nicht, auf welchen Boden er fällt. Die Einträge dieser Reihe stehen je für sich, aber sie kennen einander. Wir lesen die Texte als altes Zeugnis davon, wie Menschen ihr Zusammenleben verhandelt haben, und hören, was zu uns herüberkommt.
Der Psalm (Psalm 65) bleibt beim Wetter und dankt: Das Land ist getränkt, die Täler stehen voller Korn. Hier sprechen die, bei denen es angekommen ist.
Das Evangelium (Matthäus 13) erzählt dann vom Sämann, und es zählt anders. Ein Sämann sät, großzügig, ohne Auswahl. Ein Teil fällt auf den Weg, und die Vögel fressen es. Ein Teil auf felsigen Boden; es geht schnell auf und verdorrt, weil es keine Wurzel hat. Ein Teil in die Dornen, die es ersticken. Erst der vierte Teil fällt auf guten Boden und trägt hundertfach, sechzigfach, dreißigfach. Dreimal geht es verloren, einmal trägt es über alles Maß. Eben hat Jesaja versprochen, das Wort kehre nicht leer zurück. Der Sämann hat nachgezählt.
Man könnte den Widerspruch schlichten. Man kann ihn auch arbeiten lassen. Wenn Jesaja und der Sämann beide recht behalten sollen, liegt die Wirkung nicht im Wort, sonst gäbe es die drei verlorenen Böden nicht. Sie liegt auch nicht im Boden allein, denn ohne Samen trägt das beste Land nichts. Sie liegt im Treffen.
Jeder kennt das von nahem. Dieselbe Bemerkung, wortgleich, zu zwei Menschen gesagt: „Ich sehe, was Sie da aufgebaut haben." Die eine trägt sie durch den nächsten Monat, am anderen prallt sie ab wie am Fels. Es lag nicht am Satz, und es lag nicht am guten Willen der beiden. Es lag daran, worauf der Satz fiel. Vor einer Woche stand hier, dass Ermutigung erst bindet, wenn sie angenommen wird. Aufnehmen muss sie der Eingeladene selbst. Der Sämann redet von dem, was davor liegt: vom Boden, der das Aufnehmen erst möglich macht. Zugreifen ist die eigene Tat; ob einer zugreifen kann, hängt an einem Grund, den er nicht allein gemacht hat. Diese Woche benennt die Bedingung der vorigen.
Die Langfassung des Evangeliums enthält Sätze, die sich nicht fügen. Die Jünger fragen, warum er in Gleichnissen redet, und die Antwort teilt ein: Euch ist es gegeben, die Geheimnisse zu verstehen, ihnen nicht. Wer hat, dem wird gegeben, und er wird im Überfluss haben; wer aber nicht hat, dem wird auch noch weggenommen, was er hat. Das klingt, als wäre der gute Boden ein Besitz: Manche haben ihn, manche haben ihn nicht, und der Abstand wächst. (Wer am Sonntag die Kurzfassung hört, bekommt nur das Gleichnis; diese Sätze fehlen dann.) Doch vier Verse weiter zitiert die Antwort noch einmal den Propheten Jesaja: Das Herz dieses Volkes ist hart geworden. Geworden heißt: Es gab eine Zeit davor, und etwas hat es hart gemacht. Und derselbe Satz fährt fort: Mit ihren Ohren hören sie schwer, und ihre Augen verschließen sie. Das Verschließen ist ihr eigenes Tun. Wie viel davon erlitten ist und wie viel getan, entscheidet das Gleichnis nicht.
Ich bleibe beim Boden. Was einer braucht, um zu tragen, sagt das Gleichnis nicht; es sagt nur, dass ohne ihn nichts geht und dass niemand seinen Boden allein gemacht hat: Wege werden getreten, und mancher geht sie selbst; Dornen wachsen zu, und mancher lässt sie stehen; Felder werden gepflegt oder aufgegeben. Wenn ein Herz hart werden kann, war es vorher weicher. Der Abstand aber wartet nicht. Mehr sagt dieser Sonntag nicht.
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